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Sep 28, 2018

Krakau als Fußnote? Warum musste dieser Text auf Deutsch übersetzt werden.

2018 zeigte das Nationalmuseum in Kraków die Ausstellung Der Meister und Katharina. Hans von Kulmbach und seine Werke für Krakau. Im Mittelpunkt standen der Zyklus der heiligen Katharina von Alexandrien sowie weitere Arbeiten von Hans von Kulmbach, die im Kontext des Krakauer Kunstmilieus entstanden.

Die Ausstellung ging mit einem umfangreichen Katalog einher, der von Anfang an zweisprachig angelegt war: auf Polnisch und Deutsch. Diese Lösung war kein formaler Kunstgriff, sondern eine bewusste Entscheidung. Sie ermöglichte es, die in Kraków entwickelten Forschungsansätze in den deutschsprachigen kunsthistorischen Diskurs einzubringen, in dem das Werk von Hans von Kulmbach im weiteren Kontext der süddeutschen Kunst an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit verhandelt wird.

Zu den zentralen Beiträgen des Katalogs gehörte der Aufsatz von Mirosław P. Kruk Die heilige Katharina von Alexandrien und andere östliche Heilige im Kult und in der europäischen Kunst am Ausgang des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Der Autor untersucht darin die Gestalt der heiligen Katharina von Alexandrien sowie weiterer sogenannter „östlicher“ Heiliger und zeigt, wie deren Verehrung und Bildtraditionen in der europäischen Kunst des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit verankert waren. Zugleich zeigt er, wie aus dem Osten stammende Traditionen im westlichen Kontext aufgenommen, neu interpretiert und in bestehende Bild- und Frömmigkeitskonzepte eingebunden wurden.

Die Übersetzung dieses Textes aus dem Polnischen ins Deutsche erforderte die Wahrung einer vollständigen wissenschaftlichen Gleichrangigkeit. Ziel war weder eine Vereinfachung der Argumentation noch eine stilistische „Glättung“ des Originals, sondern die präzise Übertragung der Argumentationsstruktur, des begrifflichen Apparats sowie des Rhythmus der akademischen Darstellung in die deutsche Sprache – unter gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer eigenen kunsthistorischen Konventionen. Maßgeblicher Bezugspunkt war dabei die Forschungspraxis selbst und nicht allein die sprachliche Kompetenz.

Die Vertrautheit mit der kunsthistorischen Praxis - der Arbeit mit Ikonographie, der einschlägigen Fachliteratur sowie etablierten Interpretationsmodellen - ermöglichte es mir, den Text von Kruk nicht als bloßes „Übersetzungsmaterial“, sondern als eine Argumentation innerhalb einer klar umrissenen Forschungstradition zu lesen. Auf dieser Grundlage konnte ich übersetzerische Entscheidungen mit voller Aufmerksamkeit für ihre fachlichen und inhaltlichen Konsequenzen treffen.

Besonders wichtig erwies sich die Arbeit mit der etablierten Terminologie: mit den Namen der Heiligen, den Typen ikonographischer Darstellungen sowie den Formen des Kultes, die in der deutschsprachigen Literatur auf eine lange und stabile Tradition zurückblicken. Jede lexikalische Entscheidung musste dabei nicht nur den Bedeutungsgehalt des polnischen Originals berücksichtigen, sondern ebenso die Art und Weise, in der die jeweiligen Begriffe in deutschsprachigen Studien zu der heiligen Katharina und zum Umfeld der sogenannten „östlichen Heiligen“ verwendet und kontextualisiert sind.

Ebenso wichtig war eine klare Darstellung des lokalen Krakauer Kontexts, insbesondere der konkreten Werke von Hans von Kulmbach, ihrer Funktionen und ihrer jeweiligen Verortung. Dieser Kontext sollte auch für ein Publikum verständlich bleiben, das mit Nürnberg und dem Umfeld Albrecht Dürers vertraut ist, jedoch nicht notwendigerweise mit den Voraussetzungen der polnischen Kunsthistoriographie. Die Übersetzung hatte daher zwischen zwei Forschungstraditionen zu vermitteln, ohne eine von ihnen zu vereinfachen oder zu nivellieren.

Die Übersetzung des Textes von Mirosław P. Kruk bestand nicht in einer bloßen „Übertragung“ des Inhalts ins Deutsche, sondern in der Einbringung der Krakauer Perspektive in den deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskurs. Auf diese Weise traten die in Krakau betrachteten und erforschten Werke von Hans von Kulmbach in denselben argumentativen Zusammenhang, in dem seit langem Nürnberg und der Umkreis Albrecht Dürers verhandelt werden.

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