Teatr im. Juliusza Słowackiego, Kraków, 2024

Państwo / Der Staat in der Regie von Jan Klata war eine Inszenierung von ausgeprägt politischem und philosophischem Charakter, die eine Reflexion über den Begriff des Staates, über Macht sowie über das Verhältnis des Individuums zur institutionellen Ordnung entfaltete. Das Projekt war im Kontext des kritischen Theaters verortet und zeichnete sich durch einen intensiven Dialog mit der Tradition politischen Denkens ebenso wie mit dem aktuellen sozial- und zeitgeschichtlichen Umfeld aus. Die Realisierung am Słowacki-Theater in Kraków besaß einen mehrsprachigen Charakter, der eine präzise Ausarbeitung der sprachlichen Ebene als integralen Bestandteil der szenischen Konstruktion erforderte.
Die zentrale Herausforderung für den Übersetzer bestand in der Arbeit mit einem Text, dessen Bedeutung sich im performativen Raum entfaltet. Sie entstand nicht allein aus der Semantik der Worte, sondern ebenso aus Rhythmus, Tempo, Pausen sowie aus dem Zusammenspiel der Sprachen. Państwo / Der Staat arbeitete mit einer stark begrifflich geprägten Sprache, die in der Tradition der politischen Philosophie steht und zugleich szenisch verdichtet, gebrochen und ironisiert wird. Die Übersetzung erforderte daher eine präzise Sinnführung bei gleichzeitiger Anpassung an die Bedingungen der Bühne sowie an die Zusammenarbeit mit einer deutschsprachigen Schauspielerin. Entscheidend war eine Ausformung von Syntax und Phrasenlänge, die eine klare Artikulation im Spiel ermöglicht und dabei mit Bewegung, Szenenrhythmus und dialogischer Dynamik in Beziehung bleibt.
Die Dolmetscherarbeit war eng mit der Logik der Inszenierung sowie mit den konkreten Bedingungen der Arbeit mit einer deutschsprachigen Schauspielerin verzahnt. Der Text wurde nicht als literarische Vorlage, sondern als szenisches Material behandelt, dessen sprachliche Form unmittelbar an Rhythmus, Tempo, Pausen und körperliches Spiel gebunden war. Die Arbeitsweise beruhte auf Selektivität und strenger Disziplin. In Passagen mit hoher begrifflicher Dichte musste das Dolmetschen semantisch eindeutig und kontrolliert bleiben. Dort hingegen, wo Bedeutung durch Spannung, Wiederholung oder Stille entstand, stand die Bewahrung der strukturellen Logik der Aussage über einer wörtlichen Wiedergabe. Das Dolmetschen diente der szenischen Sinnbildung und dem schauspielerischen Prozess, ohne in Konkurrenz zur Regie oder zur performativen Ebene der Inszenierung zu treten.
Das Ergebnis der Arbeit war eine sprachliche Fassung, die als integraler Bestandteil der Inszenierung konzipiert wurde und auf die szenische Ausführung durch eine deutschsprachige Schauspielerin ausgerichtet war. Sie ermöglichte die Wahrung der inhaltlichen Kohärenz innerhalb der mehrsprachigen Struktur des Spektakels, ohne den Rhythmus der Szene oder das Verhältnis zwischen Text und schauspielerischem Handeln zu stören. Der Beitrag des Dolmetschens bestand darin, die Eindeutigkeit des kommunikativen Sinns zu sichern und zugleich die begriffliche Spannung, den kritischen Charakter sowie die aus der szenischen Ausführung hervorgehende Energie zu bewahren. Die Arbeit unterstützte Sinn und Dynamik der Inszenierung und blieb dabei konsequent der Logik der Regie sowie dem schauspielerischen Prozess untergeordnet.