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Rüdiger Ritter, Britta Albers: Haren / Maczków 1945–1948. Zwei Perspektiven auf die emsländische Gemeinde Haren in der Nachkriegszeit / Dwa spojrzenia na miejscowość Haren w rejonie Emsland po II wojnie światowej

Stadt Haren (Ems), Haren (Ems) 2023, Schriftenreihe der Inselmühle Haren (Ems), Bd. 1

Dokumentationszentrum Inselmühle

Projektbeschreibung

Das 2023 erschienene Buch Haren / Maczków 1945–1948 wurde von Rüdiger Ritter unter Mitarbeit von Britta Albers erarbeitet und ist als zweisprachige historisch-dokumentarische Publikation angelegt. Das Buch behandelt eines der vielschichtigsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte des Emslandes: die Jahre 1945 bis 1948, als die Gemeinde Haren evakuiert, in Maczków umbenannt und vorübergehend zum Lebenszentrum mehrerer Tausend polnischer Displaced Persons wurde. Dieser Begriff bezeichnet Menschen, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs außerhalb ihres Heimatlandes befanden und aus politischen, rechtlichen oder persönlichen Gründen nicht dorthin zurückkehren konnten oder wollten. Zu ihnen zählten ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge sowie weitere Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Das Buch verbindet zwei Erinnerungsperspektiven: die der deutschen Einwohner Harens und die der polnischen Bewohner von Maczków. Es zeigt, wie unterschiedlich dieselben historischen Ereignisse erinnert, gedeutet und überliefert wurden. Das Buch ist einerseits als eigenständige historische Publikation konzipiert, andererseits begleitet und ergänzt er die Dauerausstellung im Dokumentations- und Begegnungszentrum „Haren/Maczków 45/48“ in der Inselmühle. Bei der Übersetzung ins Polnische galt es, den historischen Kontext der Nachkriegszeit ebenso zu berücksichtigen wie die Besonderheiten der deutsch-polnischen Erinnerungskultur, die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und erzwungener Migration sowie die lokale Geschichte von Haren und Maczków.

Sprachliche Herausforderung

Die größte Herausforderung dieses Projekts bestand darin, beiden Perspektiven sprachlich gleichermaßen gerecht zu werden. Die Geschichte von Haren und Maczków lässt sich nur verstehen, wenn beide Perspektiven gemeinsam betrachtet werden: die der evakuierten deutschen Einwohner von Haren und die der polnischen Displaced Persons, die nach Kriegsende in Maczków lebten. Besondere Sorgfalt war überall dort erforderlich, wo historische Begriffe je nach Perspektive unterschiedlich verstanden und eingeordnet werden. Dies gilt etwa für Begriffe wie Evakuierung, Vertreibung, Lager, Befreiung, Besatzung, Rückkehr oder vorübergehende Heimat. Ebenso wichtig war es, den unterschiedlichen Charakter der einzelnen Textsorten zu bewahren - von der historischen Darstellung über Zeitzeugenberichte und Verwaltungsdokumente bis hin zu Bildunterschriften. Ziel der Arbeit war eine polnische Fassung, die den historischen Sachverhalt präzise wiedergibt und zugleich Raum für die beiden Erinnerungsperspektiven lässt, die das Buch bewusst miteinander in Beziehung setzt.

Arbeitsansatz und Arbeitsmethode

Die besondere Herausforderung bestand darin, der Anlage der Publikation gerecht zu werden, die zwei unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt nebeneinanderstellt. Die polnische Fassung durfte den Blick auf die Geschichte nicht einseitig auf die Erfahrungen der polnischen Displaced Persons verengen. Das Buch erzählt ebenso von den Einwohnern von Haren, die ihre Heimat verlassen mussten. Mein Ziel war es, beiden Perspektiven im Übersetzungsprozess den gleichen Stellenwert einzuräumen, ohne eine von ihnen sprachlich zu bevorzugen. Im Mittelpunkt meiner Übersetzungsarbeit stand daher der unterschiedliche Charakter der einzelnen Texte – von der historischen Darstellung über Verwaltungsdokumente und Zeitzeugenberichte bis hin zu Bildlegenden. Jede dieser Textformen erforderte einen eigenen sprachlichen Zugang. Jede dieser Textebenen stellte eigene Anforderungen an die Übersetzung. Vor allem Zeitzeugenberichte durften stilistisch nicht vereinheitlicht werden, da ihre sprachliche Eigenart selbst Teil des historischen Zeugnisses ist. Die historischen Passagen erforderten dagegen terminologische Präzision und einen sachlichen Sprachstil, der den historischen Zusammenhängen gerecht wird, ohne sie interpretatorisch zu überformen. Besondere Aufmerksamkeit galt der historischen Terminologie, den Eigennamen sowie den institutionellen und administrativen Bezeichnungen der Nachkriegszeit. Dazu gehörten unter anderem der Begriff Displaced Persons, die Bezeichnungen der alliierten Militärverwaltung sowie die Terminologie im Zusammenhang mit der Evakuierung von Haren und der Organisation von Maczków. Ziel war eine polnische Fassung, die historische Präzision mit guter Lesbarkeit verbindet, ohne den Umstand zu verwischen, dass ein und derselbe Ort zwischen 1945 und 1948 für verschiedene Menschen völlig unterschiedliche Bedeutungen hatte.

Ergebnis und Rezeption

Das Ergebnis meiner Arbeit ist die polnische Sprachfassung einer zweisprachigen Publikation, die sowohl als eigenständiges historisches Buch als auch als Begleitpublikation zur Dauerausstellung des Dokumentations- und Begegnungszentrums „Haren/Maczków 45/48“ in der Inselmühle konzipiert wurde. Die Zweisprachigkeit der Publikation ermöglicht einen Zugang zur Geschichte von Haren und Maczków sowohl für deutschsprachige als auch für polnischsprachige Leserinnen und Leser. Während Haren bis heute Teil der lokalen Erinnerungskultur im Emsland ist, steht Maczków in Polen für ein außergewöhnliches Kapitel der Geschichte der polnischen Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Publikation richtet sich an Leserinnen und Leser mit Interesse an der Geschichte von Haren und Maczków, der Nachkriegsgeschichte, den polnischen Displaced Persons sowie an deutsch-polnischen Beziehungen und Fragen der Erinnerungskultur. Sie kann sowohl als historisches Buch als auch als Begleitpublikation zur Dauerausstellung gelesen werden. Sie vermittelt die Geschichte eines Ortes, an dem nach 1945 unterschiedliche Erfahrungen, Erinnerungen und Lebenswege aufeinandertrafen. Die polnische Übersetzung macht diese Geschichte einem polnischen Publikum zugänglich, ohne ihren lokalen Bezug zu Haren und zur Region Emsland zu verlieren. Zugleich zeigt sie, dass Maczków Teil der europäischen Nachkriegsgeschichte ist. Sie macht deutlich, dass die Geschichte von Maczków weit über den lokalen Kontext hinausweist und Teil der europäischen Nachkriegsgeschichte ist.

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Dominik
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