Schlossmuseum in Malbork, Malbork 2023

Die Erarbeitung des Katalogs NIGRA CRUX MALA CRUX. Die schwarze und die weiße Legende des Deutschen Ordens. Band 1: Aufsätze erfolgte im Rahmen eines Ausstellungsprojekts des Schlossmuseums in Malbork. Ziel des Projekts war es, die historischen Deutungen des Deutschen Ordens sowie deren Wirkungsgeschichte im Kontext der europäischen Kultur systematisch zu rekonstruieren. Die Ausstellung und begleitende Publikation richteten ihren Fokus auf zwei konträre Deutungstraditionen – die sogenannte „schwarze“ und die „weiße“ Legende –, welche die Wahrnehmung des Deutschen Ordens über Jahrhunderte hinweg in der Historiographie, in der Literatur und Kunst sowie im politischen Diskurs maßgeblich strukturiert haben. Die Marienburg wurde in diesem Zusammenhang als ein herausgehobener Erinnerungsort profiliert, nicht allein als ehemalige Residenz der Hochmeister, sondern zugleich als dauerhaftes Symbol der Auseinandersetzungen um Bedeutung, Deutungshoheit und historisches Erbe des Deutschen Ordens. Der Band mit den Aufsätzen vertiefte die im Rahmen der Ausstellung entwickelten Fragestellungen in systematischer Form. Die Publikation integrierte bislang getrennt geführte Forschungsperspektiven, führte unterschiedliche Interpretationsansätze in einen strukturierten wissenschaftlichen Zusammenhang und verortete die Auseinandersetzung mit dem Deutschen Orden in einem erweiterten kultur- und ideengeschichtlichen Bezugsrahmen. Der Katalog erschien zeitgleich in polnischer und deutscher Sprache und dient als Plattform des wissenschaftlichen Austauschs sowie als Forum des fachlichen Dialogs zwischen Forschenden und Institutionen unterschiedlicher Sprachräume.
Die Arbeit am Band NIGRA CRUX MALA CRUX setzte die Übersetzung von Beiträgen mit heterogenem methodologischem Profil voraus, darunter historiographische Abhandlungen, kunsthistorische Analysen sowie Untersuchungen zur Rezeption des Deutschen Ordens in Literatur und politischen Diskursen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die Autorinnen und Autoren griffen auf ein differenziertes begriffliches Instrumentarium zurück, das in der Forschung zur kulturellen Erinnerung, zur Ideengeschichte sowie zur Architekturgeschichte etabliert ist. Eine besondere Herausforderung stellte die Terminologie dar, die mit den Kategorien der „schwarzen“ und der „weißen“ Legende verbunden ist. Diese Begriffe fungieren zugleich als analytische Kategorien der Historiographie und als Bestandteile historisch verfestigter nationaler Deutungsnarrative. Im Übersetzungsprozess war es erforderlich, ihren Status als wissenschaftliche Kategorien zu wahren, ohne dabei unbeabsichtigt emotionale oder polemische Konnotationen zu verstärken, die in der Rezeptionsgeschichte des Ordens tradiert sind. Die Beiträge vereinten unterschiedliche Diskursebenen: die Sprache der Quellenanalyse, die Beschreibung der Ikonographie und Architektur Malborks, die Reflexion über die symbolische Funktion der Ordensburg sowie die Rekonstruktion historiographischer Deutungskonflikte. Jeder dieser Bereiche erforderte eine eigenständige terminologische Präzision sowie eine differenzierte Anpassung an die jeweiligen fachsprachlichen Konventionen. In den kunsthistorischen Abschnitten war die terminologische Eindeutigkeit der Bezeichnungen für architektonische Formen und ideelle Programme zu gewährleisten; in den historiographischen Teilen hingegen erforderte der Text eine klare Differenzierung zwischen Tatsachendarstellung, Interpretation sowie der referierenden Wiedergabe fremder Forschungspositionen. Eine zusätzliche Herausforderung bildete die Präsenz wertender Sprachmuster in den Analysen zur Instrumentalisierung von Geschichte. Die Autorinnen und Autoren untersuchten die unterschiedlichen Formen, in denen das Bild des Deutschen Ordens zur Konstruktion identitätsstiftender Narrative herangezogen wurde. Im Übersetzungsprozess war ein analytischer Abstand zu wahren sowie eine konsequente Trennung zwischen der Sprache der Darstellung und derjenigen der zitierten, häufig ideologisch geprägten Positionen sicherzustellen. Die Arbeit an dem Band erforderte folglich nicht allein semantische Genauigkeit, sondern ebenso eine kontinuierliche Kontrolle des Registers sowie eine präzise Strukturierung der jeweiligen Aussageebenen. Gerade bei einer Publikation zu einem historisch stark symbolisch aufgeladenen Gegenstand sind die Transparenz der Argumentationsstruktur und die konsequente Wahrung eines neutralen Tons maßgeblich für die wissenschaftliche Belastbarkeit der Übersetzung.
Der Arbeit an dem Band ging eine Analyse der argumentativen Struktur der einzelnen Beiträge sowie die Identifizierung der zentralen Begriffe voraus, welche die jeweilige Argumentation der Autorinnen und Autoren ordnen. In einer ersten Phase war die Festlegung einheitlicher terminologischer Äquivalente für die zentralen Kategorien erforderlich, darunter für Begriffe im Zusammenhang mit der Legendenbildung des Ordens, der kulturellen Erinnerung sowie der Rezeption der Marienburg in unterschiedlichen historischen Kontexten. Ein zentraler Bestandteil des Arbeitsprozesses bestand in der Differenzierung der Texte nach ihren jeweiligen Aussageebenen, mithin in der präzisen Trennung zwischen eigenständiger Interpretation der Autorinnen und Autoren, der referierenden Darstellung fremder Forschungspositionen sowie der Wiedergabe von Quellen. Auf diese Weise ließ sich eine klare Hierarchie der Bedeutungsebenen sichern und zugleich vermeiden, dass wertende Zuschreibungen unzutreffend verschoben oder den Autorinnen und Autoren zugerechnet wurden. In den kunsthistorischen Abschnitten umfasste die Methode die Überprüfung der architektur- und ikonographiebezogenen Terminologie im Hinblick auf die im Zielsprachraum maßgeblichen wissenschaftlichen Konventionen. Ziel war es, die Kompatibilität mit dem einschlägigen begrifflichen Instrumentarium zu gewährleisten, ohne die argumentative Differenziertheit der Beiträge einzuebnen. Parallel dazu wurde das stilistische Register durchgängig überprüft und konsequent vereinheitlicht. Der essayistische Charakter einzelner Beiträge verlangte nach narrativer Geschlossenheit, jedoch ohne rhetorische Zuspitzung oder interpretative Überhöhung. Die Arbeitsweise war darauf ausgerichtet, die Eingriffe in die Argumentationsstruktur auf das notwendige Maß zu beschränken und zugleich Syntax sowie Terminologie systematisch zu ordnen. Den abschließenden Schritt bildete eine Gesamtrevision im Hinblick auf die Kohärenz des Bandes: die Vereinheitlichung zentraler Terminologie, die präzise Überprüfung der Zitate sowie die Sicherung eines durchgängig einheitlichen Tons, wie er für eine wissenschaftlich fundierte Museumspublikation angemessen ist.
Als Ergebnis liegt ein sprachlich wie terminologisch konsistenter Band vor, der zeitgleich in polnischer und deutscher Fassung erschienen ist. Die Publikation wahrt die argumentative Struktur der einzelnen Beiträge und trägt deren unterschiedlicher methodologischer Ausrichtung Rechnung, indem sie zugleich eine durchgängige terminologische Konsistenz im gesamten Band sicherstellt. Die Übersetzung eröffnet die Möglichkeit, die enthaltenen Analysen in den deutschsprachigen wissenschaftlichen und musealen Fachdiskurs einzubringen. Die Beiträge sind damit für die Forschung zur Geschichte des Deutschen Ordens, zur Kunstgeschichte sowie zur kulturellen Erinnerung zugänglich und stehen zugleich Institutionen zur Verfügung, die sich mit Fragen des historischen Erbes und der kollektiven Identitätsbildung befassen. Die Publikation ist einerseits als Begleitband zur Ausstellung konzipiert, zugleich jedoch als eigenständige wissenschaftliche Studie angelegt, die unabhängig vom Ausstellungskontext rezipiert werden kann. Die zweisprachige Konzeption ermöglicht eine vergleichende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen historiographischen Traditionen in Polen und im deutschsprachigen Raum und schafft zusätzliche Anknüpfungspunkte für Forschung und Lehre.