Muzeum Pierwszych Piastów na Lednicy / Museum der Ersten Piasten auf Lednica, Lednogóra, 2019
Der Führer durch den Großpolnischen Ethnographischen Park in Dziekanowice ist als didaktisch und touristisch ausgerichtete Publikation eines Freilichtmuseums konzipiert, das als Zweigstelle des Museums der Ersten Piasten auf Lednica fungiert. Der im Jahr 1975 gegründete Park präsentiert die Rekonstruktion eines großpolnischen Dorfes des 19. Jahrhunderts in der Siedlungsform des sog. Rundlings und umfasst mehr als sechzig aus dem historischen Gebiet Großpolens übertragene Bauwerke, darunter eine hölzerne Kirche aus dem Jahr 1719, ein Herrenhaus mit Vorwerk, verschiedene Typen von Windmühlen, eine Schmiede sowie ein Gasthaus. Die Publikation erfüllt die Funktion eines Instruments musealer Kommunikation, insbesondere mit Blick auf ein deutschsprachiges Publikum, darunter Touristen sowie Forschende, die sich mit der Geschichte des deutsch-polnischen Grenzgebiets befassen. Das Projekt ist Teil von Bestrebungen zur Einbindung der Einrichtung in den internationalen kulturellen Austausch und präsentiert Großpolen als eine Region mit reicher ethnographischer Tradition und wesentlicher Bedeutung für die Erforschung der Volkskultur Mitteleuropas.
Die Übersetzung des Führers durch ein Freilichtmuseum setzte vertiefte fachliche Kenntnisse voraus, die sich aus der Verbindung von Ethnographie, Bau- und Architekturgeschichte, volkskundlicher Forschung sowie museumsspezifischer Vermittlungspraxis ergeben. Zu den zentralen Herausforderungen zählte die angemessene Übertragung ethnographischer Fachbegriffe, für die im deutschsprachigen musealen Sprachgebrauch keine etablierten Entsprechungen existieren. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem terminologisch präzisen Umgang mit der historischen Holzarchitektur, der sowohl die Bauweise ländlicher Wohngebäude als auch die Systematik der Windmühlentypen umfasste, insbesondere die klare Abgrenzung zwischen Bockwindmühle, Paltrockmühle und Holländermühle. Hinzu kamen zahlreiche ethnographische Detailbezeichnungen zu Hausrat, Werkzeugen und Alltagsgegenständen, die im Ausgangstext häufig als regional oder historisch geprägte Ausdrücke erscheinen und einer kontextsensiblen sprachlichen Einbettung bedurften. Ein eigenständiger Arbeitsbereich betraf die konsequente Verwendung polnischer geographischer Bezeichnungen im Verhältnis zu ihren historisch belegten deutschen Namensformen, etwa Poznańskie gegenüber Großpolen oder Kalisz gegenüber Kalisch. Darüber hinaus erforderte das Projekt die Ausarbeitung eines sachlich-neutralen Sprachregisters, wie es für wissenschaftliche und museale Publikationen charakteristisch ist, bei gleichzeitiger Differenzierung zwischen stärker fachlich ausgerichteten Textpassagen und solchen, die der allgemeinen Besucherinformation dienen. Als besonders anspruchsvoll erwies sich schließlich die sprachliche Erfassung des übergeordneten kulturellen Zusammenhangs, der das Wechselverhältnis zwischen Architektur und rekonstruierter, quellenmäßig belegter Dorfgeschichte, die Bedeutung von Bräuchen und Ritualen im Alltagsleben sowie die Rolle handwerklicher Tätigkeiten für das Verständnis der ländlichen Lebenswelt des 18. und 19. Jahrhunderts umfasst.
Die Übersetzungsarbeit beruhte auf einem vierstufigen analytischen Vorgehen, das sowohl die Besonderheiten des musealen Objekts als auch die Anforderungen des deutschsprachigen wissenschaftlich-musealen Diskurses berücksichtigte. In einem ersten Schritt erfolgte eine eingehende Auseinandersetzung mit Struktur und Funktionsweise des Freilichtmuseums, einschließlich der Analyse einzelner Bauwerke, des Bildungs- und Vermittlungsauftrags der Institution sowie der Stellung Großpolens innerhalb der volkskundlichen Forschung. Der zweite Arbeitsschritt war der Systematisierung des Fachvokabulars gewidmet. Er umfasste die Erarbeitung eines kohärenten Bestands ethnographischer und architektonischer Terminologie mit erläuternden Zusätzen für ein deutschsprachiges Publikum, die Festlegung einer konsistenten Übersetzungsstrategie für geographische Bezeichnungen auf der Grundlage phonetischer Transkription mit Verweisen auf historisch belegte Namensformen sowie die Zusammenstellung terminologischer Varianten zur Differenzierung zwischen wissenschaftlicher Beschreibung und allgemein verständlicher, informationsorientierter Darstellung. Der dritte Schritt betraf die redaktionelle Bearbeitung der Ausstellungstexte. Dazu gehörten die situationsgerechte Anpassung des Sprachregisters an die jeweilige Textsorte, die Ausarbeitung klar strukturierter und präziser Satzgefüge im Einklang mit der deutschsprachigen museumspublizistischen Praxis sowie eine anschauliche, zugleich sachlich nüchterne Darstellung ohne vereinfachende oder stereotypisierende Zuschreibungen. Der vierte Schritt bestand in einer sachlichen und vergleichenden Überprüfung, die sowohl die Auswertung deutschsprachiger Führer durch Freilichtmuseen in Mitteleuropa als auch den fachlichen Austausch mit Forschenden der großpolnischen Ethnographie einschloss, um die Angemessenheit der gewählten Übersetzungslösungen und ihre Übereinstimmung mit dem aktuellen Forschungsstand sicherzustellen. Die angewandte Arbeitsweise stützte sich dabei auf drei grundlegende Prinzipien: vertiefte Sachkenntnis, terminologische Kohärenz sowie Sensibilität für die vielschichtige kulturelle Bedeutung des behandelten Objekts.
Das Ergebnis des Projekts ist ein Führer durch den Großpolnischen Ethnographischen Park in Dziekanowice, der im internationalen musealen und touristischen Kontext genutzt wird und einem deutschsprachigen Publikum zugänglich ist. Die Publikation richtet sich sowohl an Touristinnen und Touristen aus Deutschland als auch an Forschende zur Geschichte der deutsch-polnischen Grenzgebiete, Teilnehmende an Tagungen zur Geschichte der Polonia sowie an Fachleute, die vergleichende Studien zu Freilichtmuseen und zur ethnographischen Museumsarbeit durchführen. Der Führer trägt den Bedürfnissen von Leserinnen und Lesern mit unterschiedlichen Kenntnisständen Rechnung, von Personen mit grundlegender Allgemeinbildung bis hin zu Spezialistinnen und Spezialisten mit Interesse an archaischen Bauformen, volkstümlichen Traditionen sowie an der sozialen Lebenswirklichkeit des Dorfes im 19. Jahrhundert. Die Übersetzung erfüllt dabei die Funktion eines Instruments touristischer Vermittlung und ist zugleich in einen breiteren Zusammenhang internationaler Forschungen zum kulturellen Erbe, zu Formen der Traditionsbewahrung sowie zur Rolle musealer Institutionen in Bildung und interkulturellem Dialog eingebettet. Das Projekt steht exemplarisch für eine Form der Fachübersetzung, die über den reinen lexikalischen Transfer hinausgeht und auf vertiefter Sachkenntnis in den Bereichen Ethnographie, Geschichte, Architektur und Kulturwissenschaften beruht. In diesem Sinne fungiert die Publikation zugleich als Dokumentation translatorischer Praxis in den Geisteswissenschaften, in denen Übersetzung als Mittel der Interpretation und kulturellen Vermittlung verstanden wird.