Universitas, Kraków, 2026
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Kleinpolen (ohne die Marienkirche in Kraków), im Przemyśler Land und in Schlesien von Dobrosława Horzela ist eine kritisch erarbeitete Katalogmonographie, die im Rahmen des internationalen Forschungskorpus Corpus Vitrearum Medii Aevi entstanden ist. Die Publikation dokumentiert sämtliche erhaltenen, fragmentarisch überlieferten sowie aus schriftlichen Quellen bekannten mittelalterlichen Glasmalereien bis etwa 1530 aus dem Gebiet Kleinpolens (mit Ausnahme der Marienkirche in Kraków), des Przemyśler Landes sowie Schlesiens. Der Band gliedert sich in einen ausführlichen einleitenden Teil zur politischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Kontextualisierung des Materials sowie zur Analyse der Werkstattzusammenhänge und einen systematisch aufgebauten Katalogteil. Dieser umfasst die Bau- und Nutzungsgeschichte der einzelnen Bauwerke, Rekonstruktionen ikonographischer Programme, detaillierte stilistische Analysen sowie einschlägige Quellenauszüge. Die Darstellung wird durch eine umfangreiche Bilddokumentation mit rund 950 Abbildungen, überwiegend in Farbe, ergänzt. Die Publikation leistet einen wesentlichen Beitrag zur Einbindung des polnischen Glasmalereibestands in den internationalen kunsthistorischen Forschungsdiskurs. Zugleich dient sie als Bestandsaufnahme des Erhaltungszustands der Denkmäler zu Beginn des 21. Jahrhunderts und als Referenzgrundlage für vergleichende Untersuchungen zur mittelalterlichen Glasmalerei Mitteleuropas.
Die Übersetzung des Bandes des Corpus Vitrearum Medii Aevi setzte fundierte Fachkenntnisse aus der Kunstgeschichte, der Ikonographie, der Glasmalereitechnik sowie der restauratorischen Praxis voraus. Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Entwicklung geeigneter deutscher Fachtermini für technische und kunsthistorische Bezeichnungen, die im polnischen Forschungsdiskurs etabliert sind, in der deutschsprachigen Fachliteratur jedoch keine festgelegten Entsprechungen besitzen. Dies betraf insbesondere die Benennung von Glasmalereitypen, maltechnischen Verfahren sowie regionaler Produktionszusammenhänge. Ein hoher Differenzierungsgrad war bei der Terminologie der stilistischen Analyse erforderlich, vorwiegend dort, wo Rekonstruktionen von Werkstattzusammenhängen und die Abgrenzung niederländischer, bayerischer und Prager Einflüsse im mitteleuropäischen Raum vorgenommen werden. Hinzu trat der Umgang mit ikonographischen Einzelaspekten wie Heiligendarstellungen, symbolischen Motiven und quellenbasierten Hinweisen auf Stiftungen, die im polnischen Original häufig in archaischen oder regional geprägten Sprachformen überliefert sind. Hinzu kamen die konsequente Behandlung geografischer und historischer Bezeichnungen im Verhältnis zu ihren etablierten deutschen Formen sowie die redaktionelle Anpassung des wissenschaftlichen Apparats, einschließlich Fußnoten, Register und Verweissysteme. Die Übersetzung erforderte eine durchgängig sachliche Darstellungsweise bei zugleich differenzierter Abstufung des Detailgrads – von einführenden Überblicksdarstellungen bis hin zu monographisch angelegten Beschreibungen einzelner Glasfelder – sowie die Einbettung des Materials in den kunsthistorischen Kontext sakraler Architektur, des Mäzenatentums und der Austauschbeziehungen des Spätmittelalters.
Die Übersetzungsarbeit basierte auf einem mehrstufigen analytischen Vorgehen, das sowohl die Materialstruktur des Corpus Vitrearum Medii Aevi als auch die Konventionen des deutschsprachigen kunsthistorischen Fachdiskurses berücksichtigte. Ausgangspunkt bildete die Analyse des Bandaufbaus und seiner Funktion innerhalb des internationalen Korpus, insbesondere des Verhältnisses zwischen einleitendem Teil und Objektkatalog sowie der Einordnung des Materials aus Kleinpolen, Schlesien und dem Przemyśler Land in den übergeordneten Forschungskontext zur Glasmalerei. Ein weiterer Arbeitsschritt bestand in der Systematisierung der Terminologie. Erarbeitet wurde ein kohärenter Bestand technischer, ikonografischer und stilistischer Begriffe, der auf den deutschsprachigen wissenschaftlichen Gebrauch abgestimmt ist, ergänzt durch eine konsistente Strategie zur Übertragung geografischer Bezeichnungen sowie durch terminologische Varianten zur Differenzierung zwischen katalogartiger Beschreibung und synthetischer Darstellung. Die redaktionelle Bearbeitung richtete sich an der jeweiligen Funktion der einzelnen Textabschnitte aus. Die Syntax wurde an die für deutschsprachige kunsthistorische Monografien typischen klaren Satzstrukturen angepasst, unter Wahrung begrifflicher Präzision und textlicher Lesbarkeit. Den Abschluss bildeten eine vergleichende Überprüfung anhand deutschsprachiger Corpus-Vitrearum-Bände aus anderen Ländern sowie fachliche Rücksprachen, die der Einordnung der Übersetzungslösungen in den aktuellen Forschungsstand dienten. Das gewählte Vorgehen stützte sich auf terminologische Konsequenz, die genaue Bestimmung der Textfunktion sowie auf ein Bewusstsein für den interdisziplinären Charakter der Forschung zur Glasmalerei.
Das Ergebnis des Projekts ist eine deutschsprachige Publikation, die als Bestandteil des Corpus Vitrearum Medii Aevi im internationalen wissenschaftlichen Austausch verankert ist. Der Band richtet sich an Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, Restauratorinnen und Restauratoren, Museumsfachleute sowie Forschende zur visuellen Kultur des Spätmittelalters, darunter Spezialistinnen und Spezialisten für Ikonografie, Glastechnologie sowie werkstatt- und stiftungsgeschichtliche Fragen. Die Publikation ist auf eine Leserschaft mit unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen ausgerichtet, von Personen mit grundlegenden Kenntnissen der gotischen Kunst bis hin zu Expertinnen und Experten mit Interesse an detaillierten Analysen von Werkstattzusammenhängen, Stiftungen und dem Erhaltungszustand mittelalterlicher Glasmalereien in Mitteleuropa. Die Übersetzung dient als Arbeitsinstrument für vergleichende Untersuchungen und ist in den weiteren Kontext der internationalen Forschung zur Glasmalerei als Bestandteil sakraler Kultur, künstlerischer Austauschbeziehungen und restauratorischer Praxis eingebunden. Der Band kann sowohl als Referenz für regional ausgerichtete Studien als auch als Vergleichsgrundlage im europäischen Forschungskontext herangezogen werden. Die Übersetzung ermöglicht die Einbindung des polnischen Glasmalereibestands in den internationalen wissenschaftlichen Diskurs unter Wahrung seiner lokalen terminologischen und historischen Spezifika. Damit verbindet die Publikation dokumentarische Präzision mit der für die wissenschaftliche Kommunikation erforderlichen Lesbarkeit.